Ländliche Mobilität

Ländliche Mobilität: Die Herausforderungen der Mobilität im ländlichen Raum

In ländlichen, dörflichen Gebieten in Deutschland werden 71 % aller Wege mit dem Auto und 17 % zu Fuß zurückgelegt. Schlecht schneidet dagegen der ÖV ab: nur 5 % aller Bewohner ländlicher Räume nutzen den öffentlichen Nahverkehr.

Vor dem Hintergrund dringender sozialer und ökologischer Probleme, sollten uns diese Zahlen alarmieren. Wo liegen die Problematiken ländlicher Gebiete in Bezug auf Mobilität? Im Folgenden wollen wir diese Frage genauer beleuchten. 

LÄNDLICHEN MOBILITÄT: WELCHE PROBLEME GIBT ES?

In Deutschland nimmt der Trend der Urbanisierung zu, etwa 77 % aller Deutschen leben in Städten oder Großstädten. Das hat zur Folge, dass ländliche Dörfer und Gemeinden immer weiter ausdünnen, und der örtliche Bäcker oder die Bankfiliale schließen muss. Auch für das Mobilitätsangebot hat diese Entwicklung drastische Folgen, häufig fahren Busse nur zu Schulzeiten oder sehr unregelmäßig. Die rund 7 Millionen Menschen, die in Gemeinden mit unter 2.000 Einwohnern und die 26 Millionen Menschen, die in Gemeinden zwischen 2.000 und 100.000 Einwohnernleben, sind also in der Regel auf ein privates Auto angewiesen, um mobil sein zu können. So werden in den ländlichen Gebieten fast alle Wege hauptsächlich mit dem Auto zurückgelegt, sei es, um die Kinder zur Schule zu bringen, zur Arbeit zu fahren, Einkäufe zu erledigen oder einen Arztbesuch wahrzunehmen. 

 

Trotz einiger Initiativen in bestimmten Gebieten, sind Alternativen zum Auto in ländlichen Gebieten noch immer unzureichend oder gar nicht vorhanden. Verkehrsinfrastrukturen oder neue Mobilitätskonzepte sind oft nur für Großstädte konzipiert und berücksichtigen den ländlichen Raum kaum. 

DIE 4 HERAUSFORDERUNGEN DER LÄNDLICHEN MOBILITÄT

Der ländliche Raum ist heute stark vom Auto abhängig und übermotorisiert. Die Mobilität in diesen bisher vernachlässigten Gegenden effektiver und umweltfreundlicher zu gestalten, sollte vor dem Hintergrund der Pariser Klimaziele allerdings zu einer echten Priorität auf der politischen Agenda werden. 

ZUGANG ZU DIENSTLEISTUNGEN UND ARBEITSPLÄTZEN

Der Zugang zu Dienstleistungen, wie z. B. zu Geschäften, Schulen, Gesundheitsdiensten, Arbeitsplätzen, etc. ist in dünn besiedelten Gebieten ein großes Problem. In ländlichen Gebieten fahren Pendler eine durchschnittlich 13,2 km lange Strecke, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, während Stadtbewohner ‘nur’ etwa 8 km bis zu ihrer Arbeitsstelle unterwegs sind.  

 

Eine große Problematik ist hierbei auch die Ungleichverteilung von Arbeitsplätzen und Dienstleistungen. Da in der Stadt deutlich mehr Angebote vorhanden sind, gleichzeitig aber die Lebenshaltungskosten in den ländlichen Regionen geringer sind, sehen sich viele Menschen dazu gezwungen, zwischen Stadt und Land zu pendeln. Eine Situation, die durch die Pendlerpauschale bekräftigt wird. 

mobilité rurale

JUNGE UND ALTE MENSCHEN OHNE ZUGANG ZU MOBILITÄT

Der Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln in ländlichen Gebieten wirkt sich auch auf die Mobilität bestimmter Bevölkerungsgruppen aus. In der Altersgruppe 50+ nehmen gesundheitsbedingte Mobilitätseinschränkungen deutlich zu, was sich merklich auf den Alltag der Betroffenen auswirkt. In der Altersgruppe ab 80 besitzen sogar über 50 % kein Auto. Wer in den ländlichen Regionen keine Unterstützung von Freunden oder Verwandten bekommt, kann seine Wohnung nur selten verlassen. Diese Situation führt oftmals dazu, dass ältere Menschen häufiger alleine sind, was sich unmittelbar auf ihre körperlichen, geistigen und kognitiven Fähigkeiten auswirken kann. 

 

Jugendliche sind ebenfalls stark von anderen, ihren Eltern, Verwandten oder Freunden, abhängig, um flexibel mobil zu sein. Zwar sind sie eher pragmatisch eingestellt und würden den öffentlichen Nahverkehr nutzen, kritisieren aber häufig das bestehende Angebot. Der ÖV sei zu unpünktlich und biete schlechten Komfort. Das führt dazu, dass das Auto noch immer das beliebteste Transportmittel von Jugendlichen ist (meist als Mitfahrer). 

KOSTENFAKTOR TRANSPORT

Mobil zu sein ist teuer, besonders wenn man auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen ist. Die Entfernungen zwischen Wohnort, dem Arbeitsplatz oder anderen alltäglichen Dienstleistungen sind viel größer als in städtischen Gebieten. Dazu kommt, dass durch die schlechte öffentliche Anbindung viele Haushalte auf mehr als nur ein Auto angewiesen sind. Diese Mehrfahrten verursachen hohe Kosten (einschließlich Kraftstoff, Versicherung, Abschreibung und Fahrzeugwartung), die in der Stadt eingespart werden können

ALARMIERENDE AUSWIRKUNGEN AUF DIE UMWELT

Doch der Faktor Mobilität und die Abhängigkeit vom eigenen Auto, hat nicht nur Auswirkungen auf die Bewohner und Bewohnerinnen ländlicher Gegenden, sondern auch auf die Umwelt. Allein in Deutschland lassen sich 20 % aller Treibhausgasemissionen auf den Mobilitätssektor zurückführen, die massive Nutzung individueller Fahrzeuge in ländlichen Gebieten trägt zu dieser alarmierenden Statistik entscheidend bei.

mobilité rurale

LÄNDLICHEN MOBILITÄT: HIN ZU NEUEN LÖSUNGEN

Es besteht ein dringender Bedarf an neuen Formen der Mobilität für Menschen, die in ländlichen und peri-urbanen Gebieten leben. Vertreter aus Wirtschaft und Politik sind also aufgerufen, sich für ein verbessertes Mobilitätsangebot in ländlichen Regionen stark zu machen und so drängende soziale Aufgaben und Umweltprobleme in den Griff zu bekommen. 

 

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat dazu 2020 ein Positionspapier veröffentlicht, in dem 6 Leitplanken für moderne, integrierte, öffentliche Mobilitätsangebote im ländlichen Raum vorgestellt werden. Diese umfassen: 

 

  1. Flächendeckendes hierarchisches Bahn-Bus Gesamtsystem (mindestens im Stundentakt)
  2. Konsequente Orientierung auf Angebot, Anschlüsse und Qualität 
  3. Erschließung der Klein- und Mittelstädte 
  4. Flexible Bedienformen (= On-Demand-Verkehre) 
  5. Einfache Zugänglichkeit zum Gesamtsystem – Haltestellen, Verständlichkeit und Tarif
  6. Kooperation und Vernetzung

 

Padam Mobility setzt sich aktiv für die Entwicklung von Verkehrsträgern in Vorstädten und ländlichen Gebieten ein. Transport-on-Demand (ToD) ist eine wirtschaftliche, praktische und einfache Lösung, die es den Nutzern ermöglicht, sich problemlos fortzubewegen.

ghita@padam.ioLändliche Mobilität

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